TING-SCHULE Freie Demokratische Schule Berlin e.V.

Eindrücke

Mein Praktikum an der TING-Schule", von J. Meyer Als ich zum Tag der offenen Tür komme, bemerke ich gleich: Hey, was für eine respektvolle und entspannte Atmosphäre! Ein Ort zum Wohlfühlen! In Gesprächen erfahre ich von dem Konzept der Schule. Ich habe mich schon länger mit solchen und ähnlichen Schulkonzepten befasst und auch andere Schulen besucht. Aber ich frage mich: Werden die Ziele hier auch wirklich umgesetzt? Sind die Prinzipien von Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie tatsächlich im Alltag wiederzufinden? Ich werde neugierig und möchte den Alltag kennenlernen. Deshalb bewerbe ich mich in der Schulversammlung um ein dreiwöchiges Praktikum. Dort werde ich nach meiner Motivation befragt. Schließlich wird abgestimmt, und ich kann für drei Wochen bleiben. Gleich am Anfang schlendere ich durch die Schulräume und stelle fest: Hier wird Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie offenbar wirklich ernst gemeint! Ich komme mit den Schülern ins Gespräch und merke: Das Leben und Lernen wird hier nicht inszeniert, sondern jeder entscheidet selbst, welchen Interessen er nachgeht. Einige ziehen sich zurück, andere suchen den Kontakt zueinander. In der Bibliothek sitzen ein paar Schüler und lesen, woanders entsteht gerade ein angeregtes Gespräch. Einige sind interessiert und kommen dazu. Ins Gespräch kommen auch Schüler, die sich an einem Rechner zusammengefunden haben. Andere besuchen einen Unterrichts-Kurs. Zwei Schüler klappern alle Schulräume ab und versuchen andere für ein Gruppenspiel zu gewinnen. Zwei weitere Schülerinnen verabreden sich zu einer gemeinsamen Übernachtung. Eine Siebenjährige und ein 13-Jähriger bauen zusammen ein geometrisches Kunstwerk aus Kaplasteinen. Im Essensraum sitzt jemand und frühstückt. Ein Anderer macht es sich auf einem Sofa gemütlich. Als ich einmal ein Buffet vorbereite, bieten mir zwei Schülerinnen ihre Hilfe an und verlieren sich dann darin, ausgefallene Deko-Ideen zu entwickeln. Ich habe den Eindruck, dass Demokratie und respektvoller Umgang hier nicht konstruiert eingeübt, sondern natürlich gewachsen sind: Der Freiraum, den jeder genießt, wird offenbar ganz selbstverständlich auch anderen zugestanden. Konflikte gibt es hier auch. Oft sehe ich, dass in der Situation selbst eine Lösung gefunden wird. Klappt das nicht, werden meistens die demokratischen Strukturen genutzt, zum Beispiel das Schreiben einer Beschwerde ans Justizkomitee. Das Justizkomitee ist fester Bestandteil im Schulalltag. Ich erlebe es als sachlich und respektvoll. Jeder arbeitet mal im Gremium mit. Es scheint sich ein Gespür für Konsequenzen entwickelt zu haben, die in angemessenem Verhältnis zum angezeigten Verhalten stehen. Vielleicht werden die Konsequenzen deshalb so gut akzeptiert. Manchmal bekomme ich auch mit, dass Schüler von sich aus einen Vorschlag zum Ausgleich machen. Ich hatte eine schöne Zeit an der TING-Schule, und ich komme gerne wieder!! Erfahrungsbericht von Michael E., Praktikant Ich bin sehr froh, dass ich drei Wochen zu Gast in der Ting-  Schule sein durfte. Anfangs war es etwas ungewohnt für  mich, wie selbstverständlich und unvoreingenommen alle  unabhängig von Alter, Größe oder anderen sonst so wichtig  scheinenden Merkmalen miteinander umgegangen sind,  zusammen gelebt und eine Gemeinschaft gebildet haben.  Inzwischen finde ich es schade, das nicht auch außerhalb  der Ting-Schule vorzufinden. Zumindest oft ist es ja ganz  anders. Die Schule versteht sich als Gemeinschaft von  Gleichberechtigten. Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft  lebt und gestaltet den Schulalltag in eigener Verantwortung  und das ist auch das Grundprinzip des Schulkonzepts.  Solange, wie die selbst gegebenen und einem ständigen  Wandel unterliegenden Schulregeln geachtet werden, steht  es allen Schülern und Schülerinnen ganz frei, wie sie den  Tag gestalten. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen  und ändert sich bei manchen Schülern von mal zu mal.  Manche Schüler genießen die Bibliothek, den "stillen" Raum  zum konzentrierten Lesen oder Schreiben auf Papier oder  im Netz. Andere spielen alleine oder in beständigen oder  wechselnden Gruppen. Rollenspiele, Buden bauen, Fangen  im langen Flur oder an einem der vielen zur Verfügung  stehenden Computern, die allesamt mit dem Internet  verbunden sind, irgendetwas spielen oder tun. Das Spielen von Computerspielen habe ich als sehr  kommunikativ erlebt - nur selten sitzen die Schüler alleine   vorm Bildschirm. Meistens aber wird das Spielen von zum  Teil mehreren Mitschülern begleitet und einer ebenso lebendigen Diskussion über Taktik oder Vorgehen im Spiel. Hat ein Schüler Interesse an intensiverem Lernen, so kann er sich jederzeit an jemanden aus dem Mitarbeiterteam wenden und  einen regelmäßigen Kurs organisieren. Neben Kursen in Mathematik, Deutsch oder Französisch gab es zu meiner Zeit unter  anderem auch Kurse in Japanisch, im Mangazeichnen oder im Gitarrespielen. Spontan fanden sich zwei Schüler zusammen, um  Federball im benachbarten Park zu spielen und bei Interesse an einem längeren Ausflug kann jeder Schüler um Beteiligung und  Zustimmung werben und danach den Ausflug samt den dabei entstehenden Kosten in der wöchentlich stattfindenden  Schulversammlung zur Abstimmung stellen.  Das umfangreiche Regelbuch beschreibt viele Details im Umgang miteinander. Die Regeln entstanden und entstehen aus den  konkreten Bedürfnissen und Zusammenhängen des Schulalltags. Vorrangig sind die Regeln, wonach das Ansehen der Schule nicht geschädigt werden darf und das Zusammenleben fair und verantwortungsvoll gestaltet wird. Die berühmte "Stopp-Regel" erlaubt  es jedem Schüler und jeder Schülerin, sich vor Belästigungen, Störungen oder Beleidigungen durch andere zu schützen, indem  laut "Stopp" gerufen wird. Regelverstöße können durch jeden angezeigt werden. Die Anzeigen werden dann am Folgetag in dem  täglich stattfindenden Justizkomitee angehört, diskutiert und verhandelt.  Ich fand bemerkenswert, wie selbstverständlich die Kinder ganz unterschiedlicher Altersstufen miteinander umgehen, sich  austauschen und den Schulalltag gemeinsam gestalten. Dass sich trotzdem einige Gruppen etwa gleichaltriger Schüler  zusammenfinden gehört auch zum Schulalltag. Aber selbst diese Gruppen sind offen und nicht starr. Nicht, dass das Miteinander dort frei von Konflikten oder Problemen wäre. Aber der konstruktive und einander respektierende  Umgang hat mich genau so positiv beeindruckt wie der bewusste Verzicht auf schmückende Fassaden eines Scheintheaters von  Demokratie. Diskussionen von Problemen und der offene Umgang mit allen Fragen werden dagegen großgeschrieben.  Das Mitarbeiterteam unterstützt die Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler dort, wo sie zutage treten und  von ihnen selber artikuliert werden. Beeinflussung und konstruierte Angebote werden weitgehend vermieden. Derzeit gibt es  etwa acht feste Mitarbeiter, die ich als sehr unterschiedlich, aber zugleich konstruktiv und einander fast ideal ergänzend erlebt  habe. In dieser Konstellation ist die Gruppe der Mitarbeiter ein Glück und wichtig für die Kontinuität des Schulprojekts. Dem Justizkomitee würde ich gerne noch mehr Zeit und eine stärkere Schülerdominanz wünschen, weiß aber zugleich, dass die  Zeit der Mitarbeiter beschränkt ist. Den Ausflug in das Naturkundemuseum habe ich sehr genossen - in der Begegnung der Ting-  Schulgemeinschaft mit der "freien Wildbahn" ist mir wieder vor Augen getreten, wie toll und wofür wichtig die Ting-Schule ist. 
Ich bedanke mich bei der TING-Schule für die Möglichkeit der Hospitation. Ich freue mich, dass es eine Schule gibt, die Kinder und Jugendliche das lernen lässt, was sie gerne lernen wollen und was für sie gerade dran ist und wo sie wirklich gleichberechtigt mit den Erwachsenen auf Augenhöhe agieren können. So wird ein Selbstbewusstsein und eine Eigenverantwortlichkeit erlernt und gelebt, an der es unserer Gesellschaft oft fehlt, um kreativ die Probleme unserer Zeit anzugehen. Ingrid Aldendorff, Diplom-Pädagogin, 56 Jahre
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Rückblick einer ehemaligen Schülerin Liebe TING-Schule, ich möchte mich nochmal persönlich  bei euch allen bedanken, dass es diesen Ort gibt. Einen  Platz, an dem man einfach Mensch sein kann – ohne  Bedingungen und Bewertung. In meiner TING-Schulzeit habe ich die TING als einen  Rückzugsort und Raum für Begegnungen und Gespräche  wahrgenommen. Ich konnte mich aus einer Schulwelt  retten, in der Leistungsdruck und Hierarchien  vorherrschten und Partizipation einfach nur ein irreales  Wort aus dem Wörterbuch war. Lernen habe ich nur noch  als Druck empfunden, und zur Schule ging ich jeden Tag  mit Angst und Bauchschmerzen. Aber auf der TING war das anders. Ich konnte einfach ich  selbst sein, es reichte aus, wenn ich da war, UND ich  durfte mich mit den Dingen beschäftigen, die mich wirklich interessierten. Es dauerte ein bisschen, bis ich dem  Frieden traute, und ich hatte auch nicht jeden Tag Bock  auf Schule; aber immer hatte ich mindestens einmal am  Tag etwas zu lachen. Ich konnte einfach Spaß haben und  ich selbst sein, und dafür danke ich euch sehr. Nächsten Monat habe ich Abschlussprüfungen von meiner Ausbildung als Sozialassistentin, und nach dem Sommer  mache ich mein Abitur. Danach will ich studieren. Ich  gehe jetzt wieder gerne zur Schule, weil ich die Lehrer  nicht mehr so sehe wie meine Mitschüler. Ich sehe keine  Bedrohung mehr in ihnen, sage ihnen klar meine  Meinung, und ich mache auch im Unterricht nichts, was  ich nicht auch will. Und was das Beste ist: Ich liebe es zu  lernen. Ich muss zuhause so gut wie nie für Klausuren  üben, weil ich Bock auf Schule habe, zuhöre, diskutiere  und das Wissen aufsauge wie ein Staubsauger. Ich habe  keine Angst mehr und merke plötzlich, wie leicht mir all  diese Sachen fallen, vor denen ich früher Panik hatte.  Ich habe heute einen anderen Blick auf die Dinge, und  das gibt mir die Kraft meine Ziele zu verfolgen, egal, wie  hoch sie gesteckt sind. Ich glaube, ich wäre ohne die Zeit  auf der TING-Schule niemals auf die Idee gekommen,  freiwillig zu lernen, und schon gar nicht zu studieren; aber  die TING hat mir den Spaß am Lernen zurückgegeben,  und dafür und natürlich auch für die schöne Zeit, die  Rettung vor dem staatlichen Schulsystem und eure  unendliche Gelassenheit bin ich euch unglaublich  dankbar! Ich wünsche der TING von Herzen alles, alles Gute für die  Zukunft und bin mir sicher, es wird noch viele glückliche  TING-Schüler geben, und ich bin froh, dass ich dabei sein  durfte.